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Gunnar Hauser, Business Director Steyr und Case IH Österreich © CNH Industrial Österreich GmbH

Personalwechsel

Exklusiv: Interview mit neuem Business Director Gunnar Hauser

Ein Artikel von Agrartechnik | 01.10.2019 - 12:06

Die Redaktion von Agrartechnik Österreich bat auch gleich zum nachstehenden Interview.

Erstmal Gratulation zu dieser verantwortungsvollen Position von unserer Seite! Es freut uns besonders, dass hier ein doch noch „junges“ Gesicht in diesen Verantwortungsbereich einsteigt. Dann wird uns jetzt auch ein neuer Schwung erwarten in St. Valentin?

Vielen Dank, ich freue mich auf die neuen Herausforderungen! Ja, es gibt viel zu tun und das erfordert auch Veränderungen und neue Maßnahmen. Diese werden auch nach außen hin bemerkbar sein. Und das geht nur gemeinsam als Team, denn wir wollen uns stetig verbessern.

Positionierung Steyr und Case IH: Bisher war immer deutlich erkennbar, dass in Österreich der Fokus ganz klar auf Steyr Traktoren liegt. Wird sich daran etwas ändern?

Stimmt, in der Vergangenheit wurde der Fokus eher auf Steyr gelegt, aber durch unser vielfältiges Produktangebot werden wir uns nun auf beide Marken fokussieren.

CNH Industrial-CEO Hubertus Mühlhäuser hat nach seinem Amtsantritt erklärt, dass die Marke Steyr noch mehr als Premium-Produkt positioniert werden soll. Wie muss man das Ihrer Meinung nach interpretieren bzw. wird es hier Änderungen geben in der Produktpolitik? Noch höherer Qualitätsstandard und mehr Innovationen zu einem auch höheren Preis?

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, planen wir in der Tat, höhere Qualitätsstandards sowie langfristig Innovationen zu bringen. Die Marke wird sich in die Richtung Premium Design, Qualität und Performance positionieren, und dieser Mehrwert sollte einen entsprechenden Preis rechtfertigen. Im Rahmen der neuen CNH Industrial 5-Jahres-Geschäftsstrategie „Transform 2 Win“ planen wir für die nächsten fünf Jahre Investitionen in Höhe von 5,6 Mrd. US-Dollar in das Landmaschinensegment. Unsere Ziele sind unter anderem die weitere Verbesserung und Ausweitung unseres Produktangebots, die Umsetzung wichtiger Digitalisierungs- und Technologieprogramme sowie die weitere Stärkung der Gesamt­positionierung unserer großen Marken einschließlich Case IH und Steyr. Durch diese Investitionen und mit der fortgesetzten Unterstützung unserer Vertriebspartner wollen wir die Position von Case IH als leistungsstarkem und hochproduktivem Vollsortimenter und die Position von Steyr als europäischem Premium-Teilsortimenter für den professionellen Markt weiter stärken. Mit bahnbrechenden Innovationen und Technologien wollen wir unseren Kunden überragende Qualität bieten.

Wir befinden uns derzeit sicher in keiner einfachen Marktsituation. Die agrarische Landschaft verändert sich – der Strukturwandel hat uns fest im Griff. Die österreichischen Zulassungszahlen der letzten vier Jahre haben dies auch klar gezeigt. Was ist Ihre Strategie, um die Position von Steyr als Nummer 1 zu verteidigen bzw. auch auszubauen?

Ich setze hierbei ganz fest auf unser flächendeckendes Händlernetzwerk sowie unseren Service-Werkstätten. Unsere verlässlichen Vertriebspartner haben uns mit ihrer Kompetenz und Leidenschaft für unsere Produkte seit Jahren zum Marktführer in Österreich gemacht. Darauf ruhen wir uns aber keinesfalls aus. Wir sind bestrebt, unsere Kunden auch nach dem Kauf gemeinsam mit unseren Händlern bestmöglich zu betreuen und somit die maximale Einsatzsicherheit unserer Produkte sicherzustellen. Ein wesentlicher Punkt wird aber auch sein, dass wir auf der Seite des Kundendienstes die Reaktionszeiten weiter verkürzen müssen, denn ein Premiumkunde muss schneller bedient werden. Schon in naher Zukunft werden wir neue Tools zur Verfügung stellen, die den Service auf ein höheres Level stellen. Darauf bauen wir auf. 

Der Einstieg in das oberste PS-Segment mit dem Steyr Terrus CVT war sicher kein leichter. Es gab einiges am Produkt zu optimieren und auch der Kundenkreis in Österreich ist überschaubar. Ihre Ideen und Wünsche für die Zukunft von Steyr Großtechnik in der Alpenrepublik?

Ich denke, dass wir mit bis zu 300 PS für unsere Steyr-Traktoren gut abgedeckt sind. Fest in unserer DNA verankert ist außerdem das Know-how für die alpine Landwirtschaft sowie für den Kommunal- und Forstbereich sowie der Industrie. Steyr bietet optimale und maßgeschneiderte Lösungen für den Ganzjahreseinsatz, da bilden Wirtschaftlichkeit, Produktivität, Umweltfreundlichkeit und modernstes Energiemanagement eine perfekte Symbiose.

Im Traktorenbereich hat Case IH in Österreich eher ein Schattendasein. In den Gebieten der großen Ackeranbauflächen (Niederösterreich bis Burgenland) ist die Marke Case IH schon eher zu Hause. In der Erntetechnik ist die Axial-Flow Technik ein Beispiel für die Innovationskraft der Weltmarke Case IH. Werden sich hier neue Akzente bemerkbar machen in Zukunft? 

Case IH ist der Spezialist für Großkunden und wird auch hier noch mehr diesen hohen Anforderungen mit entsprechenden Produktinnovationen entsprechen. Die Marke wird verstärkt im Bereich Digitalisierung/Konnektivität investieren, wie die vor Kurzem eingeführten AFS Harvest Command und der neue Magnum AFS Connect zeigen. In Österreich sind wir schon bei großen Betrieben präsent – einer der größten Betriebe Österreichs, Stiftung Fürst Liechtenstein, Guts- und Forstbetrieb Wilfersdorf – ist zum Beispiel ein loyaler Case IH Kunde, was HHP Traktoren und Mähdrescher betrifft.

Steyr hatte nach dem Bruch mit dem Lagerhaus eine massive Aufgabe vor sich mit dem Aufbau einer neuen Händlerstruktur in Österreich. Heute kann man auf eine durchaus gelungene Umstrukturierung zurückblicken. Wenn wir jetzt 150 Tage weiterdenken – wird sich in den bestehenden Vertriebskanälen in 150 Tagen was verändert haben bzw. gibt es Ihrer Ansicht nach Handlungsbedarf in der österreichischen Vertriebsstruktur?

Wir sind mit unserem etablierten Händler- und Werkstättennetz gut aufgestellt. Und ich bin stolz auf unsere Händler, und darauf, was wir gemeinsam bis jetzt erreicht haben. Aber man darf nie stillstehen, denn unsere Vertriebspartner müssen auf die Zukunft vorbereitet sein und wir werden ihnen dabei auch helfen. Das ist die große Herausforderung, und daran arbeiten wir mit Hochdruck. Die Technik zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen, können viele. Das Entscheidende ist aber, wer dahintersteht. 
Es nutzt wenig, wenn wir Techniken entwickeln, die nicht nur ein Wartungsintervall anzeigen, sondern auch dem Händler signalisieren, welche Art von Wartung der Traktor braucht, wenn er sie nicht rechtzeitig und planmäßig umsetzen kann. Die Telematik stellt ihm diese Informationen zur Verfügung. Auch der Händler ist für die reibungslose Funktion einer Maschine mitverantwortlich. Er muss sich rechtzeitig mit Ersatzteilen versorgen, um Stillstandzeiten zu minimieren. Dabei müssen wir den Händler bestmöglich unterstützen. Schon in naher Zukunft werden wir neue Tools zur Verfügung stellen, die den Service auf ein höheres Level stellen. Wir sind wie bei unserer Technik auch im Vertrieb für alles offen, wenn man für beide Seiten und letztendlich für den Kunden einen Vorteil daraus ziehen kann. Händlerentwicklung ist ein sehr wichtiges Thema.

In Amerika gibt es den Trend von sogenannten „Pop up“- Stores auch schon in der Landtechnik. Könnte das irgendwann auch unsereins passieren, dass Verkaufstage in angemieteten Hallen stattfinden und die Händlerstruktur generell straffer wird in Österreich?

Wir werden neue Trends immer beobachten, und wir haben das bereits in Zusammenarbeit mit unseren Händlern und der Kompetenz unserer Verkäufer erfolgreich durchgeführt.

Was sind Ihrer Meinung nach die notwendigen Erfolgsbausteine eines Traktorenbauers, um auch in 20 Jahren noch neben so manchem Full-Liner in einem doch kleineren Markt funktionieren zu können? Man denke an Kubota oder AGCO, oder auch John Deere.

Wir schauen in erster Linie auf die Bedürfnisse der Kunden. Wir konnten uns viel lokales Fachwissen in der Landtechnik aufbauen und können somit die Anforderungen von Großbetrieben, als auch von kleinstruktureller Landwirtschaft bedienen. Im Engineering arbeiten beispielsweise über 50 Mitarbeiter, die oftmals fachspezifisches Know-how als Nebenerwerbs-Landwirt mitbringen und ihre alltägliche, praktische Erfahrung in unseren Entwicklungsprozess einfließen lassen können. Außerdem befindet sich in St. Valentin ein Trainingszentrum, an dem Mitarbeiter und Händler aus allen Märkten auf neue Produkte eingeschult werden. Das gesamte Team ist stets auf der Suche nach dem nächsten Innovationssprung, um den Arbeitsalltag unserer Kundinnen und Kunden noch effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten. Nahe beim Kunden sein – die Eigenverantwortung und das Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters und unsere Qualität „Made in Austria“ beeinflussen maßgeblich die Weiterentwicklung unseres Produktionsstandorts St. Valentin – und das ist uns sehr wichtig. 

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg wünscht das Team von Agrartechnik Österreich!